selten hat mich jemand so beeindruckt wie Tova Friedmann. Die 87-Jährige redete am Mittwoch bei der Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus – und man konnte im Plenarsaal sprichwörtlich die Stecknadel fallen hören. Eine gute halbe Stunde berichtete Tova Friedmann aus ihrem Leben. Dass sie als Fünfjährige nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, dass sie ihr Leben vermutlich nur dem technischen Defekt einer Gaskammer zu verdanken hatte und, dass sie sich bei den Todesmärschen im Januar 1945 zwischen Leichen versteckt hatte.
Beeindruckt hat mich aber nicht nur der Lebens- und Leidensweg von Frau Friedmann, sondern auch ihr Appell im Bundestag: In Deutschland sei sie herzlich empfangen worden und habe viele Menschen kennengelernt, die den Kampf gegen Antisemitismus ernst nähmen. Aber: Dieser Kampf müsse noch tougher, noch robuster geführt werden, mahnte sie. "Ich sage es Ihnen nur ungern, aber das reicht nicht aus. Sie müssen Ihr Land wieder von den schrecklichen antisemitischen Organisationen zurückgewinnen. Nicht so sanft! Ich hoffe mit meinem ganzen Herzen, dass wir etwas strenger werden."
Mich besorgt sehr, dass die Angriffe auf Jüdinnen und Juden seit dem Überfall der Hamas auf Israel zugenommen haben. Denn die Angriffe sind in erster Linie natürlich ein Angriff auf die Jüdinnen und Juden selbst, sie sind aber auch ein Seismograph dafür, wie es um unsere Demokratie und unseren Minderheitenschutz bestellt ist. Auch deshalb ist der Kampf gegen Antisemitismus für mich ein Auftrag für alle Menschen in unserem Land. "Nie wieder ist jetzt" darf auf keinen Fall zu einer losen Floskel verkommen und das Gedenken darf nicht zum Ritual erstarren.
Tova Friedman betreibt übrigens mit ihrem Enkel Aaron einen TikTok-Kanal und hält damit das Gedenken wach. Einfach bewundernswert!
Auch in Bremen haben wir in dieser Woche zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee in die Oberen Halle des Rathauses geladen, gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung. Der Schwerpunkt der diesjährigen zentralen Gedenkveranstaltung befasste sich mit dem Schicksal queerer Menschen im Nationalsozialismus, als Zeichen der Anerkennung des Leids und der Würde der Opfer, aber auch für die Verantwortung, die wir als Nachkommen der Täter tragen.
Ihr Andreas Bovenschulte

Am 24. Februar jährt sich der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine bereits zum vierten Mal. Deswegen hat Bremen heute zusammen mit Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg einen Entschließungsantrag im Bundesrat eingebracht. Wir verurteilen darin den brutalen Angriffskrieg Russlands scharf. Besonders gefreut hat mich, dass ich den Botschafter der Ukraine, Oleksii Makeiev, zu der Sitzung begrüßen durfte.
Wir haben deutlich gemacht: Gemeinsam dürfen wir nicht nachlassen. Unsere Solidarität mit der Ukraine bleibt ungebrochen. Dafür möchte ich mich auch weiterhin im Rahmen meiner Bundesratspräsidentschaft einsetzen. Bei meinem Besuch in unserer Partnerregion Odesa im vergangenen August war ich tief beeindruckt von den Menschen, die wir getroffen haben. Von ihrem Mut, ihrem Kampf um Normalität, von ihrer Dankbarkeit und ihrer Hoffnung auf Frieden.
Hasskommentare im Netz – davon kann ich selber ein Lied singen. Aber Jugendliche trifft das viel härter als einen Bürgermeister. Denn eins ist klar: Cybermobbing ist keine Kleinigkeit, sondern längst Realität im Schulalltag vieler junger Menschen. Wenn Beleidigungen und Gerüchte im Netz die Runde machen, hat das enorme Folgen. Für die Psyche der Betroffenen, für die Freundschaften, für das Lernen. Deshalb ist es so wichtig, dass Schulen sich darum kümmern, dass sie über Cybermobbing aufklären und eine Gemeinschaft stärken, in der Respekt und Rückhalt selbstverständlich sind. Ich bin beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit sich die Schülerinnen und Schüler an der Oberschule Blumenthal mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
"Kein Geld Kein Glück Kein Sprit": Schon der Titel des Erzählbands von Heinz Strunk, der in dieser Woche mit dem 72. Bremer Literaturpreis ausgezeichnet wurde, lässt erahnen, dass auch dies erneut ein besonderes Buch aus seiner Feder ist. In der Laudatio würdigt Jury-Mitglied Richard Kämmerlings ihn als "wohl gnadenlosesten Menschensezierer der deutschsprachigen Literatur seit Thomas Bernhard". Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass Literaten uns einen Spiegel vorhalten. Das macht Strunk auf eindrucksvolle Weise mit seinen Kurzgeschichten. Bewegt hat mich ebenso der Roman von Kaleb Erdmann "Die Ausweichschule", in dem er den Amoklauf von Erfurt im Jahr 2002 reflektiert. Jurymitglied Sandra Kegel lobt sein Werk als "das ehrliche Protokoll einer Überforderung". Ausgezeichnet wurde er dafür mit dem Förderpreis. Mein herzlicher Dank an alle, die regelmäßig zum Gelingen dieser Preisverleihung und zur anhaltenden Akzeptanz des Literaturpreises beitragen.
Haben Sie sie schon gesehen? Die neue 2-Euro-Münze mit dem Klimahaus? Seit gestern ist sie im Umlauf. Ich freue mich sehr, zeigt sie doch, wofür unser Bundesland steht: Weltoffenheit, Wissen und Verantwortung. Das Klimahaus Bremerhaven ist dafür ein starkes und schönes Symbol. Die Münze passt damit wunderbar zum Motto der Bremer Bundesratspräsidentschaft "VIELE STÄRKEN -EIN LAND". Wie schön, dass wir ab sofort mit einem Stück Bremerhaven in der Tasche im ganzen Euro-Raum bezahlen können: vom Fischbrötchen an der Nordsee bis zur Pizza am Mittelmeer.
Sie sind eine schöne Tradition, um zu Beginn des Jahres gemeinsam auf das zu schauen, was kommt. Die Neujahrsempfänge der Unifreunde und des Landeskommando Bremen der Bundeswehr haben im Januar im Rathaus wieder viele Menschen zusammengebracht. Gerade in – diplomatisch formuliert – schwierigen politischen Zeiten, die zudem in den letzten Wochen eine neue Dimension erreicht haben. Deshalb sind Empfänge wie diese so wichtig. Miteinander reden und sich austauschen, das ist die Basis für ein gutes Zusammenwirken. Dabei ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Oberst Geßner und dem Landeskommando eine wichtige Basis. Und die Wissenschaft ist in Zeiten von Fake News vor allem auch unerlässlich für einen faktenbasierten gesellschaftlichen Diskurs.
In diesen Zeiten ist auch das Friedensgebet ein starkes gemeinsames Zeichen für ein friedliches, weltoffenes, respektvolles und solidarisches Miteinander der Religionen in Bremen. Seit 2005 findet das Friedensgebet im Rathaus statt. Es erfüllt mich mit Stolz, dass dies seit über 20 Jahren ein fester Termin im Kalender der Bremer Religionsgemeinschaften ist. Auch in diesem Jahr kamen Vertreterinnen und Vertreter der acht Religionen Alevitum, Ba´hai, Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, Judentum und der Yeziden zusammen und setzten ein klares Zeichen fürZivilcourage und Zusammenhalt und gegen Hass und Hetze.
Ein enger Austausch mit den Gewerkschaften ist essenziell für den sozialen Zusammenhalt in unseren beiden Städten Bremen und Bremerhaven. Denn positive Veränderungen können wir nur gemeinsam mit ihnen anstoßen. Ich wünsche dem neuen Geschäftsführer der DGB Region Bremen–Elbe–Weser, Christian Wechselbaum, alles Gute in seinem Amt und ordentlich Rückenwind für das, was Gewerkschaften ausmacht: Respekt, Zusammenhalt und Demokratie im Arbeitsleben.
Es ist immer wieder schön, wenn wir in der Hauptstadt nicht nur für den Grünkohl, sondern auch für unser Land und unsere beiden Städte werben können. Und mit der neuen Kohlkönigin haben wir eine wunderbare Botschafterin, die für wissenschaftliche Exzellenz, gesellschaftliche Verantwortung und Orientierung in bewegten Zeiten steht. Ich gratuliere Prof. Dr. Jutta Günther ganz herzlich zu ihrem neuen Amt. Sie hat sich sehr verdient um die Wissenschaft und Hochschulentwicklung in Bremen gemacht. Ihr Engagement für eine offene, demokratische und international vernetzte Wissenschaftslandschaft ist beeindruckend.
Mein Dank gilt allen, die diese großartige Feier organisiert haben. Ich freue mich schon auf die 70. Roland-Runde im kommenden Jahr.
Das Land Bremen übernimmt von November 2025 bis November 2026 die Bundesratspräsidentschaft. Informationen dazu finden Sie auf der Seite BUNDESRATSPRÄSIDENTSCHAFT – Bremen stellt den Vorsitz in der Länderkammer