es ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn die Obere Rathaushalle bis auf den letzten Platz gefüllt ist, die Bremer Philharmoniker spielen und wir gemeinsam beim Neujahrsempfang des Senats das neue Jahr einläuten. Wir, das heißt in diesem Falle die Repräsentantinnen und Repräsentanten der Stadtgesellschaft aus Bremen und Bremerhaven und, was mich jedes Jahr wieder besonders freut, auch aus unseren Nachbargemeinden.
Zumal wir alle am Beginn eines besondere Jahres stehen. Bremen hat bekanntlich vor kurzem die Bundesratspräsidentschaft übernommen und deshalb werden wir im Oktober hier auch den Tag der Deutschen Einheit feiern. Rund 300.000 bis 400.000 Menschen aus nah und fern werden dann bei uns zu Gast ein. Und wir können zeigen, was Bremen und Bremerhaven ausmacht. Dass wir weltoffen und zugewandt sind. Dass wir eine leistungsfähige Wirtschaft, eine exzellente Wissenschaft und eine beeindruckende Kulturlandschaft haben, um die uns viele in Deutschland beneiden. Dass wir, um es ganz unhanseatisch auf den Punkt zu bringen, ein tolles Land mit zwei tollen Städten in einer tollen Region sind.
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"VIELE STÄRKEN – EIN LAND", das ist das Motto unserer Bundesratspräsidentschaft und der Einheitsfeier. Es bringt zum Ausdruck, dass erst die vielen engagierten Menschen gemeinsam unser Land stark machen. Jede und jeder trägt mit seinen Fähigkeiten dazu bei, dass wir die anstehenden Aufgaben meistern und trotz aller Schwierigkeiten mit Zuversicht in die Zukunft schauen können.
"VIELE STÄRKEN – EIN LAND", dazu passt perfekt die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten. Denn auch die vier Tiere haben bekanntlich nur deshalb viel erreicht, weil sie wussten, dass eben nicht jeder seines Glückes Schmied ist, sondern dass man gemeinsam mehr Erfolg hat. Oder, wie der Poetry-Slammer Bas Böttcher es bei der kulturellen Auftaktveranstaltung zur Bundesratspräsidentschaft im November auf den Punkt brachte: "Die Stadtmusikanten waren Giganten, weil sie nicht nebeneinander, sondern aufeinander standen." Weil sie den Rücken gerade gemacht und einander getragen haben.
"VIELE STÄRKEN – EIN LAND", das ist das Motto, das wir nicht nur in den kommenden Monaten und bei der abschließenden Einheitsfeier mit Leben füllen sollten. Das ist das Motto, das exemplarisch für unser Land und unsere beiden Städte steht. Weil wir hier solidarisch zusammenstehen, weil hier nicht nur jeder sich selbst im Blick hat und weil wir die anstehenden Herausforderungen gemeinsam meistern werden. So wie wir es hier an der Weser schon immer gemacht haben.
Ihr Andreas Bovenschulte

Es sind Zeugnisse, die in den Bewerbungsmappen junger Menschen stecken sollten. Stattdessen wurden sie nie ausgegeben, weil die Menschen, denen sie gehören, tot sind. Die Ausstellung "unissued diplomas" im Europa-Punkt Bremen hat mich sehr beeindruckt. Sie dokumentiert das Leben von 40 jungen Frauen und Männern, die im Krieg getötet wurden und keine Chance mehr haben, ihr Leben zu leben. Die nie einen Universitätsabschluss erhalten haben. Die Ausstellung ist ungemein berührend. Sie macht den Wahnsinn, den Russlands Überfall auf die Ukraine bedeutet, auf ganz spezielle Weise spürbar. Sie ist eine Mahnung. Ich empfehle den Besuch.
Es ist nun wirklich ein internationaler Markt, in dem man sich erstmal behaupten muss. King Art Games aus Bremen ist das gelungen. Kürzlich habe ich mich bei einem Besuch der Firma davon überzeugt, die vor 25 Jahren gegründet wurde und inzwischen 100 Entwicklerinnen und Entwickler aus 20 Ländern beschäftigt. Das internationale Team hat sich mit seinen Videospielen international einen Namen gemacht. Es ist damit eine echte Bremer Erfolgsgeschichte wie viele andere Firmen, die jeweils eigentlich nur Brancheninsidern bekannt sind. King Art Games wurde von den Schulfreunden Jan Theysen und Marc König gegründet und entwickelt heute Echtzeitstrategiespiele. "Iron Harvest" etwa verkaufte sich weltweit über 1,5 Millionen Mal und wurde 2020 als bestes deutsches Spiel ausgezeichnet.
Wie "King Art", so dürfte auch "Black Forxx" kaum jemanden etwas sagen. Doch auch das liegt nicht an der Bedeutung der Firma, sondern ihrem Geschäftsfeld, das sich in der Nische bewegt. Oder haben Sie sich schon mal mit Kauf, Verkauf oder Miete eines gebrauchen Gabelstaplers oder andersartigem Lagergerät befasst? Eben. Ich bisher auch nicht, bis ich vor Kurzem in den Industriehäfen beim ersten Spatenstich für die neue Zentrale der "Black Forxx GmbH" dabei sein durfte. Das ist die Gebrauchtgerätesparte Still GmbH, die zu den führenden Anbietern solcher Fahrzeuge zählt. In der Nähe des Stahlwerks baut das Unternehmen seinen neuen Standort, bei dem zunächst 250 Arbeitsplätze entstehen. Was an sich schon genug gute Botschaft wäre, wird noch besser, wenn man sich anguckt, wer da alles dran mitgewirkt hat. Denn da kommen wir bei renommierten international tätigen Firmen an, die sich die Standorte, an denen sie investieren, wirklich genau angucken: Der australische Projektentwickler Arrow Capital Partners oder der US-Investor Cerberus Global Investments erworben. Willkommen in Bremen.
Auch auf die Gefahr hin, dass es hier dieses Mal etwas wirtschaftslastig wird – es kann ja gar nicht verkehrt sein, darauf hinzuweisen, wie vielfältig und erfolgreich Firmen aus Bremen sind. Und wie sie Zeichen für die Zukunft stellen. Beispiel swb AG: Der Versorger macht ebenfalls im Überseehafen vor, wie Klimaschutz in Bereichen funktioniert, in denen sich Kohlendioxid-Emissionen nicht vermeiden lassen. Am Mittelkalorik-Kraftwerk entsteht unter dem Namen "Brewaccs" (Bremen Waste Carbon-Capture and Storage) die deutschlandweit erste Anlage im industriellen Maßstab, die CO²aus der Abfallverbrennung abscheidet. Anschließend wir das verflüssigt und dauerhaft unter der Nordsee verpresst. Bekannt ist das als Carbon Capture and Storage Verfahrens (kurz CCS), in Deutschland bisher allerdings nicht praktiziert. Etwa 300.000 Tonnen CO²sollen so jährlich eingefangen werden. Bemerkenswert ist bei all dem außerdem, wie mit überschaubarem eigenen Einsatz ein großes Rad gedreht wird: Das Land Bremen stellt für den Bau der Anlage 9 Millionen Euro aus dem Investitionssofortprogramm bereit. Zusammen mit Bundesmitteln und solchen der swb werden am Ende 160 Millionen Euro investiert. Für die Zukunft.
Und wenn wir schon mal dabei sind, hier noch ein Beispiel wie wirtschaftlicher Erfolg auch in Bereichen, die nicht immer als wirtschaftlich wahrgenommen werden, aussehen kann: Seit 25 Jahren gibt es mittlerweile das Rehazentrum Bremen im Klinikum Links der Weser. Für viele, viele Menschen mit orthopädischem oder kardiologischem Rehabedarf war es seither ein Segen und hat ihnen geholfen, nach einer ernsten Erkrankung ihre Lebensqualität zurückzuerlangen. Und das offenbar mit Erfolg: Das Rehazentrum landet regelmäßig unter den Top-Ten in Deutschland. Und wirtschaftlich erfolgreich und Arbeitgeber vieler Menschen ist es gleichzeitig. Ich nenne so etwas einen unverzichtbaren Partner für die Gesellschaft. Das Rehazentrum wurde ursprünglich vom SV Werder Bremen gegründet und ist seit 2016 eine Gesellschaft der städtischen Gesundheit Nord. Und auch hier zeigt sich wieder, welche auch volkswirtschaftliche Bedeutung gute medizinische Versorgung hat: Jeder Euro für die medizinische Rehabilitation löst einen Nutzen von bis zu fünf Euro aus.
Viele von Ihnen haben dabei jetzt sicherlich an das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gedacht. Das ja ohne Frage eine Institution zu Beginn des Jahres ist. Ebenso verhält es sich mittlerweile mit dem Neujahrskonzert des Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland (BGO). Gerne bin ich also auch in diesem Jahr der Einladung von Stefan Markus, dem Leiter des BGO, gefolgt. Und es war wieder ein wunderbarer musikalischer Auftakt. Und eine ganz herausragende Zusammenarbeit zwischen dem BGO, der Musikakademie Bremen sowie dem Förderverein junger Musikerinnen aus Deutschland und Polen. Gemeinsam mit Jolanta Ziemska und Dr. Marciej Ziemski haben alle Beteiligten mit viel Liebe und Herzblut ein schönes musikalisches Programm auf die Beine gestellt.
Mit Herzblut sind auch die Jugendlichen dabei, die ich diese Woche im Rathaus begrüßen durfte: Junge Menschen, die sich in den Jugendbeiräten und -foren engagieren. Mir bereiten solche Begegnungen immer große Freude. Es ist ein Glück zu sehen, wie einsatzbereite Jugendliche sich daran machen, die Politik mitzugestalten. In meiner Jugend waren wir da ja eher auf Jugendverbände, Initiativen und ähnliche Einrichtungen festgelegt, in denen sich alle einig waren und Aktionen planten. Einrichtungen wie die Jugendbeiräte gab es nicht. Raum für Aktionen gibt es und muss es auch weiterhin geben, keine Frage. Doch ich halte es auch für wichtig, engagierten Jugendlichen über Einrichtungen wie die Jugendbeiräte einen Raum für politische Debatten zu bieten. Einen Raum mit parlamentsähnlichen Spielregeln, in dem sie nicht nur auf Gleichgesinnte treffen. Sondern wo in der Auseinandersetzung mit den Argumenten der anderen Lösungen gesucht werden. Und ich freue mich, wenn sie die Möglichkeiten dort nutzen.
Das Land Bremen übernimmt von November 2025 bis November 2026 die Bundesratspräsidentschaft. Informationen dazu finden Sie auf der Seite BUNDESRATSPRÄSIDENTSCHAFT – Bremen stellt den Vorsitz in der Länderkammer