er ist eine echte Innovation, erfunden und demnächst in Serie produziert im Land Bremen. Und er hat ein riesiges Potential. Für die Wärmewende, zum Schutz des Klimas und für den Industriestandort. Der Klimaturm hat gute Chancen, das nächste Aushängeschild der Technologiehochburg Bremen zu sein. Mich jedenfalls hat er überzeugt. Und eine ganze Reihe von Fachleuten, die sich den Prototypen in der vergangenen Woche angesehen haben, offenbar auch.
Der Klimaturm der Bremer Firma Towergy GmbH ist gerade in dicht besiedelten Städten eine geniale Idee. Mit Gas oder Öl betrieben Heizungen werden immer teurer und sind schlecht für das Klima. Wärmepumpen sind die Zukunft, aber bei dichter Bebauung ein Problem. Und Fernwärmenetze sind nur dort bezahlbar, wo auf kurzer Distanz möglichst viele Verbraucher angeschlossen werden. Der Klimaturm kann jetzt in vielen Fällen die Lösung sein: Eine große Wärmepumpe, die über ein Nahwärmenetze die umliegenden Haushalte versorgt.
Ziemlich schlicht, könnte man meinen. Doch das zeichnet gute Ideen oftmals aus. Außerdem ist die schlichte Idee extrem pfiffig umgesetzt. Erstens braucht der Turm aufgrund seiner Bauweise wenig Platz: Die Fläche zweier Parkplätze reicht völlig aus. Zweitens ist er – ebenfalls aufgrund seiner Bauweise – sehr leise: Die meisten Geräusche ziehen einfach nach oben weg. Und drittens ist er – das liegt dieses Mal nicht an der Bauweise, sondern an der Technik - sehr effizient. Kurzum: Der Klimaturm kann die Wärmelösung für bestehende Quartiere und erst recht für Neubaugebiete werden. Nicht nur in Bremen, sondern bundesweit und darüber hinaus.
Dass die Idee aus Bremen kommt, freut mich als Bürgermeister ganz besonders. Und noch mehr freue ich mich darüber, dass die Serienproduktion in Bremerhaven vorgesehen ist. Towergy hat dort bereits eine Halle gekauft, Ende des Jahres soll es losgehen. Eine echte Erfolgsgeschichte.
Hinter solchen Initiativen stehen natürlich Menschen. In diesem Fall möchte ich drei nennen: Zuerst den Bremer Unternehmer Klaus Meier als Geschäftsführer der Energie-Stadt-Speicher GmbH, die die Anlage auf der Überseeinsel hat bauen lassen. Und Rolf Strauß, Professor für Energietechnik an der Hochschule Bremen, sowie den Maschinenbauer Tobias Werner als Geschäftsführer von Towergy. Es ist ihr Verdienst, wenn der Klimaturm zu einem richtigen Verkaufsschlager wird. Mich würde das kein Bisschen wundern.
Ihr Andreas Bovenschulte

Anfang des Monats hatte ich die besondere Ehre, als erster Präsident des Bundesrats vor dem Ausschuss der Regionen der EU sprechen zu dürfen. Ich war als Bundesratspräsident zwei Tage lang in der "Hauptstadt Europas" und traf dort unter anderem auf Philippe, König der Belgier, die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Teresa Ribera, die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, die Präsidentin des Ausschusses der Regionen (AdR), Kata Tütto, den Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, Andrius Kubilius, meinen Amtskollegen Vincent Blondel als Präsident des Belgischen Senats, den Präsidenten der Belgischen Abgeordnetenkammer, Peter De Roover, und schließlich die stellvertretende Nato-Generalsekretärin Radmila Šekerinska.
Das ist kein Namedropping, sondern zeigt ganz klar: Die Länderkammer wird auch außerhalb Deutschlands sehr ernst genommen. Im Kern der Gespräche standen immer zwei Themen. Erstens: Wie können wir unsere Industrien noch besser vor unfairer internationaler Konkurrenz schützen? Konkret ging es dabei um die Automobilindustrie, die ja gerade auch für Bremen von immenser Bedeutung ist. Und zweitens: Wie können wir den Einfluss von Ländern und Kommunen auf die Politik der europäischen Union sichern? Wie können wir insbesondere sicherstellen, dass im neuen EU-Haushalt auch die Belange von Ländern und Kommunen weiterhin gut berücksichtigt werden? Genau darum ging es, wie eingangs erwähnt, auch in meiner Rede im AdR.
Der Besuch bei der Nato schließlich signalisiert, dass auch sicherheitspolitische Fragen in Zeiten hybrider Bedrohungen insbesondere durch Russland ein Thema für die Bundesländer sind. Unter anderem wirtschaftspolitisch, weil wir in Europa unabhängiger von anderen werden müssen, wenn es um unsere Sicherheit geht. In diesem Kontext habe ich auch noch einmal deutlich gemacht, welche Bedeutung Bremen als Standort für Raumfahrt und Verteidigung spielen kann.
Übrigens: Worüber ich mit Philippe, König der Belgier, gesprochen habe, darf ich nicht verraten. Denn es ist traditionell bei Audienzen mit dem belgischen Königshaus nicht erlaubt, aus den Gesprächen zu berichten. Eins gilt aber zweifelsohne für alle Besuche: die herzliche Gastfreundschaft. Dafür ein großes Dankeschön – auch dem Bundesrat sowie den Kolleginnen und Kollegen aus der Senatskanzlei für die tolle Organisation dieser kurzen, aber intensiven Reise.
Ein wichtiger Player dabei ist natürlich der Raumfahrtkonzern OHB aus Bremen. Der entwickelt und baut neben vielen zivilen System auch unter anderem Satelliten für die Nato. OHB konnte dieser Tage auf eine 45-jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken, die einen einfach nur staunen lassen kann. Aus kleinen Anfängen in einem ganz anderem Technologiefeld – der Hydraulik – begonnen, hat sich daraus eines der größten europäischen Raumfahrtunternehmen entwickelt. Allein in Bremen werden 1.300 Personen beschäftigt, weltweit sind es mittlerweile etwa 4.000. Das Unternehmen liefert unter anderem Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo, Erdbeobachtungs- und Wettersatelliten, Kommunikationssatelliten sowie sicherheitsrelevante Raumfahrtsysteme. Darüber hinaus leistet das Unternehmen Beiträge zu internationalen Raumfahrtmissionen und Programmen der Internationalen Raumstation ISS. Meine herzliche Gratulation an die Familie Fuchs, die all das auf die Beine gestellt hat.
Ein Mann in Bremen wüsste darüber vermutlich noch weit mehr zu sagen. Ich wäre nicht überrascht, wenn er darüber auch fast aus dem Kopf ein Buch zu schreiben wüsste: Prof. Dr. Konrad Elmshäuser. Im April mussten wir den langjährigen Leiter des Bremer Staatsarchivs in den Ruhestand verabschieden, es sei ihm von Herzen gegönnt. Im Lichte seiner herausragenden Leistungen hat der Senat nun beschlossen, ihm die "Bremische Medaille für Kunst und Wissenschaft" zu verleihen. Denn er hat sich um das Archivwesen weit über Bremen hinaus verdient gemacht. Flapsig darf man Elmshäuser wohl auch als das "Bremer Gedächtnis" bezeichnen. Und er hat maßgeblichen Anteil daran, dass das Rathaus und der Roland in den Rang eines UNESCO-Welterbes gehoben wurden. Außerdem haben es in Bremen verwahrte Dokumente zur Geschichte der Hanse in das Weltdokumentenerbe geschafft. Seine wissenschaftliche Reputation drückt sich auch darin aus, dass er seit knapp 30 Jahren im Nominierungskomitee des UNESCO-Weltdokumentenerbe "Memory of the World" die Interessen der deutschen Archive vertritt; mittlerweile leitet er dieses Gremium. Ich freue mich darauf, Elmshäuser die Bremische Medaille vermutlich im Herbst in einer angemessenen Feier überreichen zu dürfen.
Angemessen soll aber nicht nur der Raum für solche Anlässe sein. Für den Wohnraum der Menschen hier in Bremen hat der gleiche Maßstab zu gelten. Und wir wissen alle: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt gibt das derzeit nicht her. Daher haben wir im Senat beschlossen, die Bremer Wohnraumförderung auf das Rekordniveau von 140 Millionen Euro für dieses Jahr anzuheben. Hinzu kommen noch einmal elf Millionen Euro für zwei Programme, die sich um besondere Probleme rund um den Wohnungsbau kümmern. Wir wollen, dass der Wohnungsbau auch dann im erforderlichen Maß vorangehen kann, wenn die Baukosten und die Zinsen es nicht eben erleichtern. Der soziale Wohnungsbau mit Mietpreisbindung nimmt dabei natürlich eine bedeutende Rolle ein, ohne dass wir den frei finanzierten aus dem Blick verlieren. Wohnen ist ein Grundrecht, das muss man sich immer wieder klar machen. Der Bremer Senat nimmt die Herausforderung an, hier stützend in den Markt einzugreifen.
Verantwortung zu übernehmen, heißt daneben auch, nicht nur den Blick in die Zukunft zu richten, sondern auch die Vergangenheit nicht aus dem Blick zu verlieren. Zu dieser Vergangenheit – und zwar nicht der besseren – gehört die deutsche Kolonialgeschichte. Ein heute noch sichtbares Zeichen dieser Zeit ist die im Übersee-Museum ausgestellte Kunst aus Kamerun, die 1898/99 im Rahmen des "Wute-Adamaua Feldzugs" aus dem Sultanspalast und der Stadtregion Tibati (Kamerun) entwendet wurden. Ich halte es für eine schlichte Pflicht, diese Objekte an die Eigentümerinnen und Eigentümer zurückzugeben. Das Übersee-Museum nimmt bei dieser Thematik eine bundesweit geschätzte Rolle ein. Und wir nutzen dies, zugleich freundschaftliche Beziehungen zu denen aufzubauen, mit denen wir dabei im Gespräch sind. So etwa zum Lamido von Tibati, Seine Majestät Mohamadou Hadi Barkindo, der hier in Bremen zur Eröffnung der neuen Ausstellung "Tibati – Bremen und zurück" zu Gast war und sich dabei auch ins Goldene Buch eintrug. Schon seinen Vorgänger durfte ich begrüßen und nun den aktuelle Lamido. Ich empfinde es als großes Privileg, dass sich unter den schwierigen Umständen der Geschichte so ein in die Zukunft gerichteter freundschaftlicher Dialog ergeben kann.