als der Bremer Unternehmer Klaus Meier mich in den Sommerferien angerufen und mir von seiner neuesten Idee erzählte, war ich sofort Feuer und Flamme. Was hältst Du davon, fragte er mich, wenn wir die Abwärme der Stahlwerke nutzen, um damit Häuser, Büros und Lagerhallen in Woltmershausen und der Neustadt zu heizen? Von der nördlichen Weserseite müsste die Wärme dann zunächst unter der Weser hindurch auf die südliche gelangen und anschließend über Fern- und Nahwärmenetze bis ins heimische Wohnzimmer. Ein Riesen-Projekt, keine Frage. Aber wer mit Klaus Meier schon einmal zu tun hatte, den hat es nicht überrascht: In seinem Kopf war das Projekt schon sehr weit fortgeschritten.
Und tatsächlich drängt sich die Idee ja geradezu auf: Derzeit lassen die Stahlwerke die beim Stahl kochen anfallende Wärme einfach ungenutzt liegen, während wir andernorts gut gebraucht werden könnte. Beispielsweise, um im Winter das heimische Wohnzimmer warm zu halten. Als Gas und Öl noch reichlich vorhanden und dementsprechend preiswert waren, hatte sich niemand an dieser Verschwendung gestört. Heute aber sieht das ganz anders aus. Das Projekt kann sich lohnen, obwohl die notwendigen Investitionen enorm sein werden. Lohnen für die Abnehmer der Fernwärme, weil sie nicht mehr auf das immer teurere Öl und Gas angewiesen wären und sich die Anschaffung einer Wärmepumpe sparen könnten. Lohnen für die Stahlwerke, weil sie für die Wärme künftig nicht nur bares Geld bekämen, sondern gleichzeitig auch noch Kosten sparen könnten. Derzeit nämlich muss das Kühlwasser mit erheblichem Aufwand abgekühlt werden, bevor es in die Weser eingeleitet werden darf. Und lohnen für den Betreiber des Wärmenetzes, weil nach allen Kosten auch noch ein kleiner Gewinn übrig bliebe.
Jetzt aber heißt es erst einmal gründlich rechnen. Was kostet es, die Abwärme der Stahlwerke auf die andere Weserseite zu transportieren? Was kostet das Verteilnetz dort? Und vor allem: Was kostet die Kundinnen und Kunden die Kilowattstunde? Denn natürlich muss die Fernwärme aus dem Stahlwerk konkurrenzfähig sein. Sonst machen am Ende doch die neue Wärmepumpe oder die alte Öl- oder Gasheizung das Rennen.
Übrigens, weil ich das in den letzten Tagen oft gefragt worden bin: Klaus Meier setzt bei seinem Projekt nicht nur auf die Abwärme des Stahlwerkes. Er will für das Wärmenetz auch das Abwasser der Kläranlage und das Weserwasser (Stichwort: Flusswärmepumpe) als Wärmequelle nutzen. Alles andere wäre ja auch leichtsinnig. Schon alleine deshalb, weil im Stahlwerk ja jederzeit für Reparatur- oder Wartungsarbeiten die Produktion heruntergefahren und die Wärmequelle damit ausfallen könnte.
Für mich ist klar: Der Plan macht Sinn. Ökologisch, weil wir dann die Abwärme der Stahlwerke nutzen würden, die bislang wirkungslos verpufft. Wirtschaftlich, weil alle gewinnen: die Stahlwerke, die zu gründende Wärmegesellschaft und die Kundinnen und Kunden durch niedrige Heizkosten. Und auch sozial, weil sich viele eine Wärmepumpe mit Solaranlage auf dem Dach einfach nicht leisten können und das Heizen mit Öl und Gas in den kommenden Jahren vermutlich deutlich teurer werden wird.
Ob das Projekt wirklich umgesetzt wird? Ob die swb sich daran beteiligt? Und ob die Stadt sich engagiert? Alles das wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn wir eine Machbarkeitsstudie vorliegen haben. Ich jedenfalls bin sehr optimistisch und werde das Projekt unterstützen, wo ich nur kann.
Ihr Andreas Bovenschulte

Bremen ist Luftfahrtstadt, wir haben eine entsprechende Geschichte bis in die früheste Frühzeit der Nutzung des Luftraumes. Richtig ist aber auch: Das hilft niemandem – Zukunft hat noch niemand durch Tradition gewonnen. Daher war es mir wichtig, diese Woche bei der Betriebsversammlung von Airbus Aerostructures zu den Beschäftigten zu sprechen. Dabei habe ich betont: Bremen steht an der Seite der Frauen und Männer im Betrieb und des Standortes. Klar ist, dass wir keine Entscheidungen treffen, die liegen beim Konzern. Doch der Senat und ich persönlich werden uns immer dafür stark machen und in geeigneten Fällen auch unsere Beiträge leisten, dass Entscheidungen im Sinne des Bremer Werks ausfallen. So entwickeln wir neben dem Ecomat nun auch ein "Ecomat Hydrogen Campus", um all das Wissen rund um die Nutzung des Wasserstoffes für das künftige Fliegen in Bremen zu sichern. Oder wir bereiten mit mehreren Millionen Euro die Entwicklung von über 30 zusätzlichen Hektar für die Luft- und Raumfahrtindustrie in der Airport-Stadt vor. Vor allem aber setzen wir auch auf das enge Band zwischen Beschäftigten, Betriebsrat, Gewerkschaft und Unternehmensleitung zur Wahrung der Interessen des Werkes. Bremen steht zu Airbus Bremen.
Auch wenn ich mein ganzes Politikerleben gegen künstlich erzeugte Ungleichheiten ankämpfe, muss ich einsehen: Das Ziel ist noch nicht erreicht. An einer Stelle aber, da sind wir alle gleich: Wenn die Bürokratie zuschlägt. Doch glauben Sie mir: Mich nervt das hin und wieder genauso wie Sie. Daher ist es mir wirklich ernst damit, dass wir die Bürokratie auf allen Ebenen auf ein vernünftiges und der Sache dienliches Maß zurückschneiden müssen. Das heißt vor allem: Der Staat muss seinen Bürgerinnen und Bürgern wieder mehr Vertrauen entgegenbringen. Nicht jedes Dokument in Anträgen muss beglaubigt werden, um nur ein Beispiel zu nennen. Das gilt für Unternehmen, das gilt für Vereine, das gilt für Zuwendungsempfänger, das gilt für jede und jeden von uns.
Die gute Nachricht: Bremen ist da auf einem guten Weg. Gemeinsam mit dem Bund und den Ländern setzen wir ein großes Projekt mit dem zugegebenermaßen äußerst sperrigen und selbst schon wieder nach Bürokratie klingenden Namen "Föderale Modernisierungsagenda" um. Und was bremisch geregelt ist, können wir hier auch schneller voranbringen. So, wie wir es etwa mit der Entschlackung der Landesbauordnung gemacht haben. Und wir arbeiten gerade an einem Bremischen Verwaltungsmodernisierungsgesetz. Wir wollen digitaler werden, den Bürgerinnen und Bürgern zugewandter, schneller und einfacher. Oder kurz: besser.
Gar nicht mal mehr besser werden als sie schon sind, müssen zwei Vereine, denen ich zu ihren Jubiläen gratulieren durfte. Gemein ist ihnen, dass sie mit der wunderbaren Natur unserer Stadt in Verbindung stehen. Da ist der Wassersportverein Warturm. Seit 100 Jahren gibt es ihn. So lange gehen die Wassersportlerinnen und Wassersportler ihrem Hobby auf der Ochtum nach. Ein herrliches Revier von 26 Kilometern Länge, auf der die Aktiven der unterschiedlichen Sparten des Vereins Ihren Spaß haben können. Und im gemütlichen Vereinsheim kommt dann auch das Vereinsleben auf dem Trockenen zu seinem Recht. Ich war gerne beim Jubiläumsfest dabei.
Als der Wassersportverein gerade 50 Jahre alt war, gründete sich in Obervieland gleich nebenan an der Ochtum dann der Verein Park links der Weser, dem ich nun also zum 50-Jährigen gratulieren konnte. Was vielen nicht bekannt ist: Der Park ist der größte, den wir in der Stadt haben, er umfasst stolze knapp 240 Hektar, etwa ein Fünftel mehr als der Bürgerpark. Was sie aber in bester Bremer Manier verbindet: Sie sind beide ein bürgerschaftliches Projekt. Gegründet und getragen von Menschen voller Herzblut für ein großes Naherholungsgebiet im Süden der Stadt. Es begann als Protest gegen eine geplante Autobahn und bereichert Bremen bis heute.
Auf 50 oder gar 100 Jahre Geschichte kann das "Einheitsbuddeln" nun zwar noch nicht zurückblicken. Doch zum Park links der Weser passt es schon mal ganz gut. Seit sieben Jahren ist es schon eine schöne Tradition, dass im Zuge der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit zum Massenbuddeln aufgerufen wird. Als amtierender Bundesratspräsident bin ich in diesem Jahr Schirmherr des "Einheitsbuddeln 2026" und habe mit großer Freude am Dienstag dieser Woche im Gesundheitspark Speckenbüttel in Bremerhaven zum Spaten gegriffen, um eine Hängeweide in die Erde zu bringen.
Diese 2019 in Schleswig-Holstein geborene Aktion gefällt mir sehr gut. Bäume taugen nun einmal sehr gut als Symbol der Einheit. Überall im Land prägen sie die Landschaft, in den Städten sorgen sie wie nichts anderes für sommerliche Abkühlung. Wer einen Baum pflanzt, glaubt an die Zukunft. Daher auch an dieser Stelle noch einmal der Aufruf: Wenn Sie ein Fleckchen Erde haben, auf dem sie pflanzen dürfen – der Garten oder die Parzelle, der Garagenhof oder das Kindergarten-Gelände - heben Sie ein Loch aus, füllen Sie es mit ordentlicher Erde und stellen Sie einen Baum rein. Machen Sie es für sich im Stillen oder laden Sie Freundinnen und Freunde zur Pflanzparty ein. Tragen Sie es auf der Landkarte auf der Seite einheitsbuddeln.org ein. Und wenn Sie keine eigene Möglichkeit haben, die Aktion aber so charmant finden wie ich: Spenden Sie bei Betterplace für Forstsetzlinge. Die gehen nach Bremerhaven zur Umgestaltung des Reinkenheider Forsts. Machen Sie mit beim "Einheitsbuddeln 2026". Vielen Dank!
Mitgemacht hat die große Mehrheit der Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer von Balgequartier und Böttcherstraße bei der Initiative zur Gründung eines "Business Improvement Districts" (BID) oder auch Innovationsbereichs im Herzen unserer Innenstadt. Sie taten sich zusammen, um mit eigenem Geld die Entwicklung ihres Quartiers voranzubringen. Grob zusammengefasst im Dreieck vom Pressehaus bis zur Böttcherstraße und Martinistraße haben sie sich ein Fünf-Jahres-Programm vorgenommen. Das Ziel: Den Bereich attraktiver für Besucherinnen und Besucher zu machen, für Sauberkeit zu sorgen, die Aufenthaltsqualität zu steigern, ein modernes Standortmarketing zu betreiben. Die öffentliche Hand will sich gar nicht aus der Verantwortung stehlen. Doch ein solcher Innovationsbereich zeigt, wie Staat und Private die Dinge gemeinsam vorantreiben und auf eine neue Stufe heben können. Immerhin bringen die Privaten über 2,5 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren auf. Das ist ja mal ein Wort. Das ist privates Engagement, von dem am Ende alle profitieren.